Jugend – Osterfreizeit im Thaurac

Wie jedes Jahr, wenn es auf Ostern zu geht, sind wir mit vollgestopften Autos in den Süden zum Sportklettern aufgebrochen. Unsere Gruppe bestand aus 11 Leuten, von denen 9 am Freitagabend (23.03.2018) aus Recklinghausen losgefahren sind. Ein Auto hat das 10. Teammitglied in Leun an der Lahn bei Wetzlar eingesammelt und das andere hat sich um den Lebensmitteleinkauf gekümmert. Lukas ist am Mittwoch den 28.03. mit dem TGV nachgereist.

Nach einer anstrengenden 12-stündigen Fahrt haben sich beide Autos mit nur einer halben Verzögerung im kleinen südfranzösischen Montoulieu wieder getroffen. Montoulieu besteht aus einem Campingplatz, ein paar Bungalows und einer Kirche. Es liegt nahe dem unbekannten, aber wunderschönem Thaurac-Klettergebiet in Südfrankreich. Die nächste bekannte Stadt ist Montpellier, die 40 km südlich von Montoulieu liegt. Das Klettergebiet selbst liegt 10 Minuten Autofahrt von Montoulieu entfernt und weist als Besonderheit eine riesige Grotte auf, die ein ganz schöner Touristenmagnet ist.

Bei unserer Ankunft wurden wir anders als erwartet mit einem „Moin!“ begrüßt. Der Campingplatzbesitzer kommt ursprünglich aus Hamburg und hat, wie er uns stolz erzählt, eine Französin geheiratet, weswegen die beiden zusammen diesen Campingplatz führen. Wir fühlen uns bei ihnen auf jeden Fall sehr wohl und sind froh über jemanden, der deutsch spricht und mit dem wir uns nicht über unsere brüchigen Schul-Französischkenntnisse verständigen müssen. Gleich in einem der ersten Gespräche erzählt er uns von der Ziegenkäserei direkt über dem Campingplatz. Der Käse sei unglaublich lecker und wenn wir Glück haben, würden wir auch da auf eine deutsche Gesprächspartnerin treffen. Sie hatte ein Auslandssemester in Bonn gemacht und freut sich deswegen immer über die Möglichkeit ihr Deutsch anzuwenden. Gleich bei der nächsten Gelegenheit sind wir nach einem anstrengenden Klettertag zu der Käserei gelaufen. Unser Glück hat uns nicht im Stich gelassen. Uns wurde auf deutsch der gesamte Betrieb gezeigt und von dem Melken bis zur Käsereifung alles erklärt. Wir durften sogar zu den Babyziegen und bei der Fütterung zuschauen. So viel Einblick in den Betrieb hatten wir vorher gar nicht erwartet und haben uns umso mehr gefreut, dass wir bei den Kleinen bleiben durften und sie streicheln und ärgern durften so lange wir wollten. Der Käse war übrigens auch wunderbar!

Wir haben uns natürlich nicht nur mit den französischen Ziegen und ihrem Käse beschäftigt, sondern haben das gemischte, aber meist gute Wetter am Fels genossen. Das Klettergebiet zieht sich an einem Fluss, dem Hérault, entlang. Es gibt eine sonnige Seite gen Süden und eine Seite, die den wunderschönen Blick auf den Fluss und die Felsen auf seiner anderen Seite erlaubt. Der helle Kalkstein weist viele Höhlen und Tunnel auf, was die Kletterei sehr besonders macht und für uns etwas neu war. An Regentagen konnten wir uns die ein oder andere Höhle suchen, in der wir trotzdem klettern konnten. Besonders spannend waren die Routen, die durch Tunnelsysteme führten. Manchmal musste man sogar den Gurt ausziehen, um durch die engsten Passagen zu kommen.

Obwohl die meisten Zustiegswege zum Wandfuß mit 5 bis 10 Minuten nur sehr kurz waren, konnte man im Thaurac-Gebiet auch sehr gut wandern gehen. Es gab mehrere Klettersteige, deren Maskottchen Teddybären waren, die einen überall in der Wand überraschten und mit einem Schild (natürlich auf französisch) erklärten, an welcher Station man sich gerade befand. Unter anderem gab es da die station de baume du soleil unweit dem Sektor Voisseau fantôme. Auf dem Foto sieht man die riesige Höhle, die „Höhle der Sonne“ heißt, weil im Sommer am Mittag das Sonnenlicht so einfällt, dass der Raum komplett in goldenes Licht getaucht ist. Das war für uns eher nebensächlich. Das Schild des Bären in dieser Höhle war viel interessanter. Unsere Französischkenntnisse halfen uns weiter: Man durfte hier je nach Erfahrung und Mut ein Pendel aufbauen, an dem man durch die gesamte Höhle schwingen konnte. Manche Wände von der Höhle konnte man von der Plattform aus gar nicht sehen, so groß war sie. Einmal bei einem professionellen Wandererführer zugeschaut, bauten wir am nächsten Tag selbst das Pendel auf. Unsere Konstruktion haben wir mit viel Teamwork und Erfahrung perfektioniert und durch die dunkle, kalte Höhle zu schwingen, hat so viel Spaß gemacht, dass wir an dem Tag gar nicht mehr wirklich ans Klettern gekommen sind.

Die Kletterei an sich war sehr schön. Es gab ganz unterschiedliche Routenstile und alles Mögliche an Schwierigkeitsgraden, sodass wir abends meist sehr erfolgreich, aber auf jeden Fall erschöpft zurück kamen. Neben klassischem Sportklettern, Mehrseillängen, Plattenklettereien und den bereits erwähnten Höhlen, gab es sogar den ein oder anderen Boulder, den ein paar von uns sehr souverän gemeistert haben. Besonders gefallen haben uns die Gebiete Baume d’Aymé und Fucking Bartas. Insgesamt konnte man aber aufgrund der Vielfältigkeit der Routen und der hohen Anzahl an Routen in einem Sektor, keinen Sektor als besonders hervorheben. Jeden Tag konnten wir unglaublich viel machen und nach 10 Klettertagen sind wir auch noch lange nicht mit dem Thaurac durch.

 

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